Schüleraustausch mit Frankreich

Die Oberschule Hermannsburg unterhält seit 1976 gemeinsam mit dem Christian-Gymnasium einen Schüleraustausch mit dem Collège Antonin Perbosc in Auterive, Südfrankreich. Aus dieser Schulpartnerschaft entstand 1979 eine Partnerschaft zwischen den Gemeinden Hermannsburg und Auterive.

 

Einige Infos über Auterive

Auterive liegt ca. 30 km südlich von Toulouse im Département Haute Garonne (Région Midi-Pyrénées) an der Ariège, einem Nebenfluss der Garonne.

 

Der Name Auterive stammt aus dem Lateinischen "alta ripa" (hohes Ufer) und bezieht sich auf die Lage am Ariège-Fluss. Spuren römischer Besiedelung sind heute noch in der Nähe zu sehen. Das Languedoc gehörte zur römischen "provincia Narbonensis". Das Land der Katharer, wie man diese Gegend auch nennt, zeigt noch heute mit seinen Fliehburgen (Montségur) Spuren aus der Zeit der "Albigenser- Kreuzzüge", als die Kirche die Katharer als Ketzer verfolgte.

 

Die geographische Bezeichnung für diese Gegend lautet Languedoc, davon abgeleitet der Name Occitanie. "oc" bedeutete im Altfranzösischen so viel wie "ja". Die alte Sprachgrenze zum Norden war eine Linie südlich von Lyon. Jenseits dieser Grenze hieß das Wort "ouil", woraus später das heutige "oui" wurde. Das heute wieder in südfranzösischen Schulen unterrichtete "Occitan" ist dem Katalanischen sehr verwandt.

 

Ansprache des Bürgermeisters von Auterive, Monsieur Pierre Bastiani, anlässlich der Feier zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft in der Aula der Christian-Schule

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

dieser wunderbare Abend gibt mir die Gelegenheit, einige Worte an Sie zu richten. Ich werde mich kurz halten, denn wenn die Gefühle so intensiv sind, bedarf es keiner langen Reden. Die freundschaftlichen Bindungen zwischen unseren beiden Orten müssen nicht erst noch bewiesen werden. Diese Partnerschaft lebt seit 20 Jahren durch kulturelle, schulische, berufliche und sportliche Begegnungen und hat sich nicht auf bloße Absichtserklärungen beschränkt, sondern sie ist eine lebendige Freundschaft zwischen zwei Orten und deren Menschen.


Gestatten Sie mir vor diesem Hintergrund einige Gedanken über Europa darzulegen. An der Schwelle zum neuen Jahrtausend, dem Fortschritt und der Humanität verpflichtet, brechen gerade jetzt die alten Dämonen und Gefahren wieder hervor, die wir besiegt glaubten. Die zahlreichen, durchaus unterschiedlichen Kommentare zu den tragischen Ereignissen auf dem Balkan haben doch diese Sorge gemeinsam: Europa ist noch nicht ausreichend geeinigt, um diese Umstände selbst zu regeln, anstatt diese Aufgabe den Vereinigten Staaten zu übertragen? Leider treffen diese Befürchtungen zu. Aber das beweist auch, dass wir entgegen vorgefertigter Meinungen nicht an zu viel Europa leiden, sondern an einem zu schwachen Europa. Ich wünsche mir ein weniger technokratisches Europa mit stärkerem politischen Bewusstsein; ein Europa, das nicht nur verwaltet wird, sondern sich der Realität stellt; ein Europa mit weniger Beschränkungen und mehr Liberalität; Europa sollte das Bild der Freundschaft zwischen Auterive und Hermannsburg, Fontanelle und Arenys widerspiegeln: ein Europa der Menschen. Europa muss für uns alle eine Selbstverständlichkeit sein, aus der die Demokratie Kraft schöpft.

 

Ich hoffe, sehr geehrter Herr Bürgermeister Rittmeister, dass unsere Amtsnachfolger noch viele Jubiläen dieser Partnerschaft feiern werden. Ich hoffe ebenso, dass diese Partnerschaften zu einer vorbildlichen Gesellschaft beitragen, die den Menschen, seine Würde, seine Lebensqualität und seine Entfaltung als oberstes Ziel hat. In diesem Sinne sind wir die Wegbereiter Europas.

Übersetzer: M. Kaufmann